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News vom 31.10.2005

Viele Zahlen – wenig Nutzen

Neues weltweites Ranking des Times Higher Education Supplement veröffentlicht

Internationale Rankings, die weltweit nach den besten Universitäten suchen, genießen unabhängig von ihrer Qualität eine hohe Aufmerksamkeit in den Hochschulen wie in den Medien. Zum einen erhofft man sich von ihnen Aufschluss darüber, wie Deutschland als Wissenschaftsstandort im weltweiten Vergleich dasteht, zum anderen richtet sich das Interesse natürlich darauf, welche deutschen Universitäten bei diesem Vergleich am besten abschneiden. Da wird es dann auch von den Hochschulen selbst gerne als Erfolg dargestellt, wenn man 5 Plätze besser platziert ist als die nächste deutsche Universität. Um so mehr sollte die Methodik und Aussagefähigkeit solcher weltweiten Rankings einer kritischen Überprüfung unterzogen werden.

Ziel der Untersuchung:
Das Times Higher Education Supplement kürte nach 2004 zum zweiten Mal die weltweit besten Universitäten.

Methodisches Vorgehen:
Das Ranking basiert in erster Linie auf der Reputation der Universitäten innerhalb der universitären Fachcommunities, die 40 Prozent des berechneten Gesamtwertes für die Hochschulen ausmacht. Im Jahr zuvor ging dieser Faktor noch mit einem Gewicht von 50 Prozent in den Gesamtwert ein. Statt dessen wurde jetzt zusätzlich mit einem Gewicht von 10 Prozent die Reputation der Universitäten unter Personalchefs aufgenommen. Hierzu wurden die Nennungen der 20 besten Universitäten von weltweit insgesamt 333 Personalchefs berücksichtigt. Mit einem Gewicht von jeweils 20 Prozent werden Pro-Kopf-Zitationsraten und das Zahlenverhältnis von Lehrenden und Studierenden (Betreuungsrelation) einbezogen. Schließlich wurden mit jeweils 5 Prozent noch die Anteile der ausländischen Studierenden und Lehrenden berücksichtigt.

Methodik und Indikatoren:
Für die Ermittlung der Reputation in der Fachwelt wurden weltweit 2.387 Wissenschaftler in rund 90 Ländern befragt, das ergibt einen rechnerischen Durchschnitt von 27 pro Land. Sie sollten in ihrem Fachgebiet und für eine Region, die sie sich zu beurteilen zutrauten, die Spitzenuniversitäten nennen. Über die Auswahlkriterien und die Verteilung nach Ländern und Fachgebieten gibt es keine Angaben. Zusätzlich wurden weltweit 333 Personalchefs gebeten, die 20 Universitäten mit den besten Absolventen zu nennen. Die Zitationsanalyse ist auf den Science & Social Science Citation Index bezogen. Zusätzlich wurden aus verfügbaren nationalen Statistiken ohne nähere Prüfung der Vergleichbarkeit der Anteil ausländischer Studierender (5 %) und Lehrender (5 %) sowie das Zahlenverhältnis (Betreuungsrelation) von Studierenden zu Lehrenden (20 %) berücksichtigt.

Ergebnis:
Angeführt wird die Liste wie im Vorjahr von der Harvard University; als erste europäische Universitäten folgen Cambridge und Oxford auf den Plätzen drei und vier (Vorjahr 6 bzw. 5). Mit der Universität Heidelberg landet die erste deutsche Universität auf Platz 45 (2004: 47). Im Vergleich zu den Vorjahreszahlen gibt es einige erhebliche Veränderungen: So schob sich beispielsweise die Duke University dank erheblich verbesserter Reputation von Platz 52 auf Platz 11 vor. Umgekehrt rutschte die ETH Zürich aufgrund ihrer angeblich geringen Reputation bei Arbeitgebern von Platz 10 auf Platz 21 ab.

Fazit:
Die Beschränkung der Zitationsanalysen auf den Science & Social Science Citation Index bringt eine Verzerrung zugunsten der englischsprachigen Hochschulen und berücksichtigt überproportional die Naturwissenschaften. Dies räumen die Herausgeber ein, es bleibt aber bei diesem Bias. Bei den beiden Reputationsindikatoren besteht keine Transparenz, wer befragt wurde. Die starken Schwankungen in der Reputation einzelner Hochschulen binnen Jahresfrist legen die Vermutung nahe, dass die Stichproben nicht sehr zuverlässig und stabil gewählt worden sind. Das gleiche gilt für die Methodik der Zitationsanalyse, über die man auch nicht viel erfährt. Auch hier gibt es Schwankungen im Jahresabstand, die zumindest Zweifel an der Zuverlässigkeit der Analysen nähren. So lag die ETH Zürich hier beispielsweise im Jahr 2004 noch bei einem Wert von 67 Prozent des besten Wertes; ein Jahr später sollen die Publikationen der ETH plötzlich nur noch im Umfang von 8 Prozent der besten Hochschule zitiert worden sein! Mit Blick auf das deutsche Abschneiden ist zudem von Bedeutung, dass in diese Analyse die außeruniversitäre Forschung keinen Eingang gefunden hat. Die deutlich geringer geworden Abstände zwischen den einzelnen Universitäten verdeutlichen zu dem, dass der Ausweis von einzelnen Rangplätzen wie in einer Sport-Tabelle Unterschiede zwischen den Hochschulen demonstriert und damit eine Scheingenauigkeit suggeriert, die so nicht vorhanden ist. So liegen zwischen dem 50. und dem 178. der neuen Rangliste lediglich 15 Punkte auf der Hunderter-Skala des Gesamtwertes!

Letztlich haben diese hoch aggregierten weltweiten Rankings wie das des Times Higher Education Supplements oder auch das Shanghai Ranking aufgrund ihrer methodischen Schwächen eine geringe Aussagekraft, da nicht abgeschätzt werden kann, was genau gemessen worden ist.


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