Ziel:
Weltweit große und lang anhaltende Aufmerksamkeit findet das erste breit angelegte globale Ranking, das seit 2003 von der Universität Shanghai jährlich aktualisiert und veröffentlicht wird. Seit 2009 wird das Ranking von der ausgegründeten Shanghai Ranking Consultancy veröffentlicht.
Das Ranking vergleicht die Forschungsexzellenz der weltweit führenden 500 Universitäten. Der Fokus der Indikatoren liegt daher fast ausschließlich auf der Forschung. Neben Publikationen werden im Wesentlichen Nobelpreise berücksichtigt. Seit 2007 wird neben dem Ranking der ganzen Hochschulen auch ein Ranking für fünf breite Fächergruppen publiziert. Zudem gibt es seit 2009 Rankings für fünf einzelne Fächer.
Methodisches Vorgehen:
Gesamtliste: Im Einzelnen werden folgende Indikatoren mit der entsprechenden Gewichtung berücksichtigt:
- Qualität der Ausbildung: Alumni, die einen Nobelpreis oder wichtigen fachspezifischen Preis gewonnen haben. Gewichtung: 10%
- Qualität des Personals: Unterteilt in o a) Wissenschaftler mit Nobel-Preis bzw. wichtigem fachspezifischen Preis. Gewichtung: 20%. o b) Häufig zitierte Forscher in 21 Fächern , Gewichtung 20%.
- Output in der Forschung : Unterteilt in o a) in Nature & Science publizierte Artikel, Gewichtung 20% o b) Artikel im Web of Science (SCI Expanded & SSCI Expanded) , ebenfalls zu 20% gewichtet
- Pro-Kopf Leistung: Die gewichteten Ergebnisse der oben genannten fünf Indikatoren dividiert durch die Vollzeitäquivalente des akademischen Personals. Gewichtung: 10%
Das Ranking veröffentlicht für die ersten 50 Universitäten genaue Rangplätze; danach werden nur Ranggruppen veröffentlicht.
Beim Ranking der Fächergruppen sind die Auswahl der Indikatoren und die Gewichtungen leicht angepasst. Im Bereich der Ingenieurwissenschaften wird auf die Preisgewinner unter den Alumni und Angestellten verzichtet. Dafür wird hier der Indikator Drittmittel" genutzt, der die Höhe der Ausgaben für Ingenieurbezogene Forschung, gemessen an den Ausgaben insgesamt, bemisst. Sofern diese Information nicht für eine Hochschule vorliegen, werden die Prozente auf die übrigen Indikatoren aufgeteilt.
In das Ranking der Fächer (Mathematik, Physik, Chemie, Information, BWL) fließen die ersten fünf Indikatoren des Fächergruppenrankings mit der dort aufgeführten Gewichtung ein.
Ergebnis:
Gesamtliste 2010:
Im Ergebnis landen unter den ersten 20 Universitäten nur drei Nicht-US-amerikanische: neben Cambridge auf Platz 5 (Platz 3 in 2009) und Oxford auf Platz 10 (gleich zu 2009) noch die Universität Tokio (Platz 20, gleich in 2009). Unter den ersten 100 Universitäten finden sich drei deutsche Universitäten: auf den Plätzen 52 (Universität München, in 2009 noch Platz 55), 56 (TU München, in 2009 Platz 57) und 63 (Universität Heidelberg).
Fächergruppen 2009:
In den Naturwissenschaften liegen unter den ersten 20 Universitäten lediglich sechs Hochschulen außerhalb der USA: Cambridge, Tokyo, ETH Zürich, Oxford, Kyoto und Paris Sud. Auf dem 37. Platz liegt die TU München.
Die Ingenieurwissenschaften sind fest in amerikanischer Hand: Unter den ersten 20 folgt erst auf Platz 16 die Universität Cambridge, Toronto auf Platz 19 und die Universität Lausanne an 20. Stelle (Platz 15 in 2009). Unter den ersten 50 Universitäten wird keine deutsche Universität gelistet.
In den Lebens- und Agrikulturwissenschaften sind Cambridge, Oxford und das University College London neben dem schwedischen Karolinska Institut die einzigen nicht amerikanischen Hochschulen unter den ersten 20. Erneut findet sich keine deutsche Hochschule unter den besten 50.
Medizin und Pharmazie entspricht den Lebenswissenschaften. Die dort genannten Universitäten in Großbritannien und Schweden sind die einzigen nicht-amerikanischen unter den ersten 20. Immerhin konnte die Universität München auf Platz 40, in 2009 noch 38 gelangen.
Die klare amerikanische Führungsrolle in den Sozialwissenschaften wird nur durch die Universitäten Cambridge und Oxford auf den Plätzen 15 und 16 unterbrochen. Unter den besten 100 Hochschulen wird keine deutsche Universität angegeben.
Auch die Fächer-Rankings 2010 werden erneut von amerikanischen Universitäten bestimmt.
Fazit:
Auch wenn es Kritik am Shanghai Ranking gibt, wonach die Ergebnisse im Detail nicht reproduzierbar seien, ist die Methodik auf der Webseite doch transparent beschrieben. Aufgrund der langen Beobachtungszeiträume, bei den Nobel-Preisen z. B. zurück bis zum Jahr 1911, werden historische Bewertungen und Bewertungen der gegenwärtigen Forschungsleistung von Hochschulen nach wie vor vermischt, auch wenn die länger zurückliegenden Preise mittlerweile geringer gewichtet werden als aktuelle Auszeichnungen.
Die Zuordnung der Nobelpreise ist in doppelter Hinsicht problematisch. Zum einen ist es fraglich, ob eine Zurechnung von Nobelpreisen zu den Studien-Universitäten der Preisträger (Indikator 1) überhaupt Sinn macht. Zumindest diskussionswürdig erscheint zum anderen auch die Zuordnung zu der Universität, an der die Preisträger zum Zeitpunkt der Preisverleihung tätig waren und nicht zu der Hochschule, an der sie die ausgezeichnete Forschungsleistung erbracht haben.
Das hohe Gewicht von Zeitschriftenaufsätzen im Web of Science bringt eine starke Verzerrung zugunsten von Universitäten mit stark naturwissenschaftlicher Ausrichtung in englischsprachigen Ländern mit sich. Durch die doppelte Berücksichtigung von Beiträgen in Nature und Science wird diese Verzerrung noch verstärkt.
Besonderheiten der nationalen Wissenschafts- und Hochschulsysteme können in dem top-down-Ansatz des Rankings, der verfügbare Daten ohne nähere Reflektion ihrer Vergleichbarkeit auswertet, kaum berücksichtigt werden. So bleibt beispielsweise die deutsche außeruniversitäre Forschung unberücksichtigt.
Wenn das Ranking weltweit als Bewertung der Forschungsleistung der Wissenschaftssysteme wahrgenommen wird, ist besonders aus deutscher Sicht anzumerken, dass die Forschungsleistung der außeruniversitären Forschung - und damit ein erheblicher Teil der Forschungsleistung deutscher Wissenschaftsstandorte - nicht berücksichtigt ist.
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